Vereinigung – ohne Überbau

Durchdrungen. Und sich dabei selbst durchdringend. So ist das Prinzip. Das weit über alles hinausgeht, was wir als Mann und Frau sind.

Wir, als lebendige Anwesenheiten, sind zunächst einmal keine Akademiker, Müllmänner oder Putzfrauen, sondern sich selbst erlebende und vergegenwärtigende energetische Muster. Also Energie, die sich selbst vernimmt. Und auf dieser Ebene stellt es sich so deutlich und wunderschön dar. Es geht nicht um eine vollkommen missverstandene Form der Gleichberechtigung, sondern um Hingabe. An mich selbst. Und damit um den Respekt des Geistes vor sich selbst als energetischem Muster. Vor dem Muster, das diesem Leben zugrunde liegt und sich in diesem Leben verwirklichen will.

Das, was Geist ist, ist zugleich Respekt vor dem Leben.

Das, was Geist ist, ist zugleich Respekt vor dem Leben. Weil Geist das ist, was sieht, was einsieht und erkennt, statt alles nur immer wieder sinnlos zu kommentieren und mit einem Brei aus nicht durchdrungenen, das Leben beschwerenden, wenn nicht gar „verunmöglichenden“ Meinungen zu überziehen und damit so gut wie unkenntlich zu machen. Ich respektiere mich, heißt: Ich lasse mich zu. Ich verwirkliche, dass ich bereits eine kosmische Zulassung habe, die nur noch eins will: Verwirklichen, was das bedeutet. Damit ich selbst zu dieser Verwirklichung werde und erfahren darf, was das bedeutet. Allein dafür bedarf es meiner unbedingten Anteilnahme an diesem Leben.

Meine Anteilnahme an mir selbst ist, was Wasser und Sonnenlicht für die Pflanze sind. Meine Anteilnahme und nicht meine ständigen Kommentare. Damit werde ich selbst immer deutlicher zur Demonstration meines Erkennens. Einfach, indem ich erlebe, wie ich bin. Statt mich auf bestimmte Weise haben zu wollen. Und damit sich dieses Einsehen entfalten und passieren kann, muss es still in mir sein, zumindest aber immer stiller werden.

Erst wenn ich meine Unversehrtheit erkenne, wenn ich erkenne, dass die Instanz in mir, die mich als reines Muster falsch setzen will, die Falschheit in Person ist, kann ich anfangen Dich zu spüren, mich zu sehen. Als das, was mir entspricht! Als mein Gegenüber, das ich auf der Grundlage wahrer Muster in absoluter Offenheit erlebe.

Ich bin kein Soldat. Das ist mir jetzt klar. Ich höre auf niemandes Befehl. Nicht einmal auf meinen eigenen. Weil ich nicht mehr jemand bin, dem man das Leben weitestgehend abgewöhnt hat, damit ich tun „kann“, was ich als mich selbst empfindendes, lebendiges Wesen niemals (mit mir) tun und niemals von mir erwarten würde. Ich bin nicht hier, um sklavisch fremde Pläne auszuführen. Nein, ich bin einfach nur hier. Als Wirklichkeit, die so offensichtlich ist, dass sich ihrer niemand sicher sein muss. Und damit als Wirklichkeit, die sich endlich selbst erleben will. Unverzerrt. Ungeschminkt.

Damit bin ich in Wirklichkeit nicht gut oder schlecht, nicht sklavisch, nicht indoktriniert oder vergesellschaftet, sondern frei.

Damit bin ich in Wirklichkeit nicht gut oder schlecht, nicht sklavisch, nicht indoktriniert oder vergesellschaftet, sondern frei, mich als kosmischen Ausdruck so zu erleben, wie ich bin. Also immer tiefergehend. Und dabei immer tiefer werdend. Sich selbst vertiefend. Und eben das ist es, was Hingabe ist: Stille, die mich erst möglich sein lässt und damit wirklich möglich macht. Und Raum, der mich zu mir erwachen lässt, weil er selbst keine Meinung über mich hat und mir damit einfach zur Verfügung steht. Es ist dieser stille, sich selbst zugewandte Raum, in dem ich als mich selbst erlebende Lebenswirklichkeit zu mir komme. Das ist wahre Hingabe. – Und damit echter Selbstrespekt.

Aus diesem Selbstrespekt heraus begegne ich. Von selbst. Ich spüre immer genauer und immer direkter, wohin es mich wirklich zieht. Wohin es mich in und als Wirklichkeit zieht. Und genau das macht mich weit. Und das, was weit ist, begegnet sich in Wahrhaftigkeit!

Statt irgendwelche eigensinnige Impulse setzen zu wollen, die mir nicht entsprechen, folge ich mir als Impuls. Und werde damit zu einem Geführten. Ich verwirkliche immer tiefer, dass ich mir unbekannt bin. Und genau das macht mich frei! – Frei von mir als vorgefasster Idee, die sich nicht erreichen kann, weil kein echtes Blut durch ihre Adern fließt. Und damit erkenne ich deutlich, dass mich diese Ideen an Vorversionen von mir binden und mich darin verhungern lassen. Weil ich einfach kein an sich selbst festhaltender Gedanke bin, der immer noch und immer wieder meinen Atem atmet!

Wenn sich diese Tatsache in mir verwirklichen darf, werde ich überhaupt erst wirklich in der Lage sein, befreit und vollkommen hingegeben zu lieben. Mich selbst, als diesen nicht akademischen, nicht vermüllmannten Lebensstrom. Mich selbst, als Energie. Und genau dadurch werde ich deutlich. Vor mir selbst. Genau dadurch lerne ich mich unmittelbar spüren. Auf diese Weise werde ich zu dem, was Erfahrung ist. Zu einem nicht übersetzten Erleben, das sich auf der Ebene „meines Nervengeflechts“ vollzieht. Weil ich in allererster Linie nichts anderes als ein sich selbst berührender, lebendiger Lebensstrom bin.

Doch wir, als die problembewussten Kinder unserer Zeit, die zwanghaft problematisieren, theoretisieren und analysieren, leben als der Überbau dieses lebendigen Organismus. Aus diesem Grund fühlen wir uns oft so schal, so leer, so freudlos und so wenig lebendig. Allein aus diesem Grund gibt es Disneyworld und alle möglichen Formen der Ablenkung von diesem unglücklichen, weil völlig übersehenen Wesen. Als das ich in Wirklichkeit lebe.

Wodurch könnte das Unglück dieses Wesens besser verdeutlicht werden als durch Disneyworld? – Leer. Nichts drin. Keine Berührung. Keine Erfahrung. Nichts, außer schaler Langweile – Unterhaltung. „Aber es hat so sehr in meinem Bauch gekribbelt.“ – Genau davon spreche ich. Von dieser Leere. Von dieser Schalheit ohne wirkliches Erleben.

Ich will mich auf allen Ebenen vereinigen. Und die erste und entscheidendste Ebene ist die Ebene, die ich bin. Und damit nimmt der Akademiker in mir seinen Hut. Der sich zu Tode Analysierende. Der immer wieder nur Bedenkenträger ist. Der alles Problematisierende. Er wird sich selbst gegenüber schlicht arbeitslos, weil niemand mehr seinen ausführlichen „Selbstbetrachtungen“ zuhören will. – Da backe ich lieber ein Brot oder küsse Dich! Weil das dem Leben in einer Vollkommenheit entspricht, die glücklich macht. Ein echtes Brot! – Seine Kruste. Sein Duft. Dieser Geschmack! Ist wie ein Kuss. – Du! Bist! Als dieser sich selbst küssende Kuss! So echt ist Selbstberührung. Ich werde ganz zu mir und wende mich mir ganz direkt zu. Und backe ein Brot.

Wenn Du Dich in dieser Selbstzuwendung erfährst…

Wenn Du Dich in dieser Selbstzuwendung erfährst, werden Deine Küsse Küsse sein. Und Du allein wirst wissen, wen Du küssen willst und auf welche Weise. Dann bist Du Dir wirklich nah. So vertraut, dass Du Dir nicht mehr vertrauen musst. So vertraut, dass Du gar nicht mehr anders kannst, als Dich Dir selbst gemäß auszudrücken. Weil Du eins mit Dir bist. Vereinigt. Zu Dir gekommen. Als definitionsloses, reines, freies Erleben. Das aus dieser Vereinigung heraus lebt.

Die Wahrheit ist, dass Du bereits dieser Solitaire bist. – Alles ist einzig. Und steht für sich selbst. So macht es das Leben. Einfach. Es gibt keine Kopie. Keine einzige. Nichts rollt im Takt der Maschinen vom Fließband. Nichts, was dem Leben entspricht! Hier gibt es keine Freiheit hinterm Steuer eines glänzenden Panzers, der Dir Freiheit und Souveränität vorgaukelt, oder schlimmer noch Deine Individualität. Nein, hier bist Du wirklich, echt und damit vollkommen ungeschützt. In Dir selbst, „vor“ Dir selbst. Als Du selbst. Und genau dieser Intimität bedarf es – zwischen Dir. Zu Dir selbst. Das ist die Vereinigung nach der Du Dich sehnst.

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